Auf Internetplattformen tauschen sich Menschen über nachhaltige Lebensstile aus und suchen nach umweltfreundlichen und sozial gerecht hergestellten Produkten. Idealerweise läuft dann auch noch der Server mit Ökostrom – ein Blick auf grüne Netzwerke.

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Die Suche nach Biokosmetika, nach Ökostromanbietern und nach schicker Mode aus Biobaumwolle, hergestellt unter sozial verträglichen Standards und mit fairen Löhnen, gestaltet sich mitunter recht schwierig. Viele dieser Produkte findet man nicht unbedingt im Supermarkt um die Ecke, bei großen Modeketten oder bei bekannten Marken. Wer umweltfreundlich und sozial verträglich konsumieren will, muss meist nach den Produkten suchen. Seit einigen Jahren helfen dabei Internetplattformen. Die derzeit größte ist Utopia.de. Laut Meike Gebhard, Utopias E-Business-Beauftragte, tummeln sich dort mehr als 65.000 registrierte Mitglieder, und über 200.000 Menschen informieren sich pro Monat, ohne registriert zu sein. „Wir wollen einen globalen Turnaround: Millionen Verbraucher erreichen, zeigen, wo man die Produkte findet. Man soll Gutes tun, Spaß haben und das Leben genießen. Wir wollen Druck auf Unternehmen ausüben und es soll ein Hebel auf die Politik sein, die von selbst nicht schnell genug reagiert“, sagt Gebhard. Laut den Betreibern von Utopia fühlen sich in Deutschland immerhin 20 Millionen Menschen vom Lebensstil der LOHAS angesprochen, dem Lifestyle of Health and Sustainability. Hinter ihnen stehe ein Marktvolumen von mehreren hundert Milliarden Euro.

Dennoch ist dieser Konsum noch eine Marktnische. Tipps zu Produkten und Anbietern sind gefragt. Viele LOHAS-Portale sind laut Milo Tesselaar in den letzten drei bis fünf Jahren entstanden. Er ist Mitbegründer der hiesigen Plattform Biorama und des gleichnamigen Magazins. Jedes Portal hat Tesselaar zufolge spezifi sche Nutzer und Zielgruppen: Manche widmen sich dem Konsum, andere dem Fahrrad, ökologischem Wirtschaften oder der Kleidung. Manche Portale sind stark politisch, andere kaum, manche haben einen Internetshop dabei. Daneben vernetzen sich Gleichgesinnte auf Facebook und Twitter, wo viele der Portale ebenfalls vertreten sind. Kooperiert wird auch mit Unternehmen. Auf Utopia können sich Firmen präsentieren, die dafür nach strengen Kriterien ausgewählt werden. Wer gegen Menschen- und Arbeitsrechte verstößt, mit Atomenergie oder Gentechnik Geschäfte macht oder Kinder für sich arbeiten lässt, kann nicht Partner der Plattform werden. Streng ist man auch im Utopia-Büro in München: Die Büromaterialien sind ökologisch und Utopia arbeitet mit einem Internetprovider zusammen, der Ökostrom verwendet – ein Thema, das auch die User in den Foren bewegt. Wer Biolebensmittel und Ökomode kauft, will schließlich nicht mit Atomstrom surfen.


Auf Internetplattformen tauschen sich Menschen über nachhaltige Lebensstile aus und suchen nach umweltfreundlichen und sozial gerecht hergestellten Produkten. Idealerweise läuft dann auch noch der Server mit Ökostrom – ein Blick auf grüne Netzwerke.


Auch bei E-Mail-Adressen finden sich bereits Anbieter, die mit Ökostrom arbeiten, doch für eine grüne E-Mail-Adresse muss man derzeit noch Gebühren zahlen. Umsonst für den Nutzer sind dagegen Öko-Varianten bei den Suchmaschinen: Die Seite Ecosia zum Beispiel verspricht, dass man mit einer Suche auf dieser Seite sogar Regenwald schützt. Denn die Betreiber spenden 80 Prozent der Gewinne aus Anzeigen an ein Regenwaldschutzprojekt des WWF in Brasilien. Zwar verbraucht jede Suche auch bei Ecosia Strom und verursacht damit CO2, aber laut Ecosia-Pressesprecherin Jana Kroll wird durch den Schutz der Wälder mehr CO2 gebunden, als bei der Suche entsteht. Für die Suche kooperiert Ecosia mit den herkömmlichen Suchmaschinen von Yahoo und Bing. Nur die von Ecosia selbst verwendeten Server arbeiten mit Ökostrom. Die in Umweltbelangen recht vorbildliche Plattform wurde von Jana Krolls Bruder Christian entwickelt. Künftig wollen die Geschwister durch den Kauf von Carbonzertifi katen auch den CO2-Ausstoß der Server von Yahoo und Bing für die Suchanfragen auf Ecosia ausgleichen. Die erste grüne Suchmaschine war Kroll zufolge Ecocho.eu. „Sie suchen, wir pflanzen Bäume“, erklärt die Seite das Prinzip. Und sogar der Internetgigant Google hat einen umweltfreundlichen Ableger entwickelt: Blackle.

Die Seite soll durch einen schwarzen Hintergrund weniger Strom verbrauchen. Laut Kroll würde dies aber nur bei alten Röhrenbildschirmen und auch hier nur wenig Strom einsparen. Über den Energieverbrauch von Google war Anfang 2009 in Medien zu lesen: Damals veröffentlichte der Harvard-Physiker Alex Wissner-Gross eine Berechnung, wonach eine Suche bei Google sieben Gramm CO2 verursacht. Mit zwei Suchen hätte man demnach so viel Energie verbraucht, wie wenn man einen Teekessel voll Wasser erhitzt. Google widersprach dem und schätzte den CO2-Austoß pro Suche auf 0,2 Gramm. Auch wenn solche Zahlen schwer zu berechnen sind und von vielen Annahmen abhängen: Das Internet braucht Energie. Laut dem grünen E-Mail-Provider Biomail verbrauchten Server und Rechenzentren im Jahr 2008 in Deutschland mehr als 10 Milliarden Kilowattstunden Strom – immerhin knapp zwei Prozent des gesamten Stromverbrauchs oder die Leistung von vier mittelgroßen Kohlekraftwerken. Eine Studie der britischen Umweltschutzorganisation Global Action Plan ergab vor einigen Jahren, dass ein Server über das Jahr so viel CO2 verursachen kann wie ein Geländewagen. Zwei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen gingen auf Server zurück – ebenso viel wie für den Flugverkehr. Aber es ist durchaus möglich, auch die Reise im Online-Netzwerk nachhaltig anzutreten.♥


Magazin / Titel: multikosmos – Die Welt der effektiven Mikroorganismen
Ausgabe: 00007 / Netzwerke / März 2011
Kunde: Multikraft Produktions- und HandelsgmbH
Chefredaktion: Katja Greco
Stellv. Chefredaktion: Claudia Eipeldauer
Art Direction & Layout: d.signwerk Emotional Brand Building
Text: Mark Hammer
Lektorat: Ewald Schreiber