Auf Regen folgt Genuss

Mutter Natur hat uns mit einigen Dingen bedacht, nicht alle geraten uns dabei zur Freude. Doch wem das Sammeln von frischen Kräutern und Beeren auf Wiesen und im Wald Vergnügen bereitet, erkennt, dass auch der Regen sein Gutes hat. Ohne ihn würde vieles nur im Verborgenen blühen und manchmal noch nicht einmal dort.

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IM ALLGEMEINEN JAMMERN WIR MENSCHEN über den Regen, weil wir der Meinung sind, dass es zu viel davon gebe. In der Wüste Arabiens bei ununterbrochenem Sonnenschein und 50 Grad Sommertemperaturen fände man etwas mehr Regen nicht schlecht. Und während im Sommer viele Österreicher dorthin fahren, wo sie weniger Regen vermuten, kommen Araber oft gern dem Regen entgegen. Der arabische Gast murrt vielleicht über zu viel Schweinsschinken am Frühstücksbuffet, sicher aber nicht darüber, dass es in Zell am See auch einmal eine Woche schnürlregnen kann. Für die Gäste aus dem Nahen Osten ist ein erfrischender Sommerregen wertvoller als Öl, was verständlich ist, wenn man sich einen Spaziergang unter einer Dusche aus Roh-Petroleum vorstellt. Gespannt verfolgen wir jeden Abend die Meldungen über das Wetter der kommenden Tage. Wenn Regen verheißen wird, werden die Gesichter vor den TV- oder Computer Bildschirmen länger. Vielleicht liegt das auch an der Wortwahl. Regenwetter müsste Es gibt-bald-frische-Wildkräuter-Wetter heißen oder Im-Wald-wachsen-bald-die Eierschwammerl-Wetter. Dann würden wir den Regen lieben lernen. Denn das Hinausgehen in die Natur feiert gerade eine Renaissance.


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BUCHTIPP: Avantgardistische Naturküche mit Lexikon der Geschmackskombinationen: Lassen sie sich von der Philosophie Stefan Wiesner inspirieren.
ISBN: 978-3-03800-532-2
Umfang: 272 Seiten
Gleich bestellen!


 

FALSCH DEKLARIERTE BIOEIER und Betrügereien beim Inhalt der Billig-Tiefkühl-Lasagne haben uns den Appetit auf Supermarktware ziemlich verleidet. Eine Auflistung anderer Lebensmittelskandale, die während der vergangenen Monate und Jahre aufpoppten und fast durchwegs im Zusammenhang mit anonymer Massenbilligproduktion stehen, soll hier unterbleiben. Es macht einfach keinen Spaß, Grauslichkeiten aufzulisten. Aber was ist die Alternative zum günstigen Essen aus dem Supermarkt, das, wie man immer wieder hört, in Österreich viel weniger günstig ist als bei den Nachbarn in Deutschland. Man könnte sich auf die alte Tradition der Jäger und Sammler besinnen. Das ist kein Plädoyer für die Jagdprüfung für alle und auch keine Aufforderung, das ganze Jahr über von Moosen, Flechten und Beeren zu leben, aber Rousseaus Credo vom „Zurück zur Natur“ ist mittlerweile auch in den Köpfen der kulinarischen Denker und den Töpfen der kochenden Avantgarde angekommen.


WEBTIPPS: KOCHEN IN DER NATUR

Experimentierfreudig:
Stefan Wiesner – naturverliebter Gastrosoph, derGeschmack neu erfindet:
www.stefanwiesner.ch
Supermarkt „Natur“:
Rasmus Kofoed macht Kindern Wald und Wieseschmackhaft:
http://www.hangar-7.com/de/ikarus/zu-gast-im-ikarus/2012/rasmus-kofoed/
Stadtteilzentrum Bassena:
Renate & Roland entdecken die Natur rund um denGemeindebau:
www.w24.at/Eingekocht-Essen-aus-dem-Gemeindebau/1154


DIE MOLEKULARKÜCHE, die mit Techniken aus der Lebensmittelindustrie spielte, ist weg vom Fenster. Was jetzt kommt, ist weder eine Frage von Kochtechniken und auch keine des Geldes. Denn Wald und Wiese sind für alle da. In der Schweiz hat sich ein Koch den Ruf eines Wegbereiters erworben, der mit der Natur Dinge anstellt, die vor ihm in dieser Radikalität noch niemand wagte.

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Buchtipp: Avantgardistische Naturküche von Stefan Wiesner

Stefan Wiesner kocht auch einmal mit Holz und sogar mit Gold, wenn es ihm ins Konzept passt. Seine Schneesuppe ist flüssig-heiße Philosophie: Er gräbt ein Loch in einen Haufen Schnee, in dem ein Feuer angezündet wird.
Das Feuer lässt den Schnee schmelzen und verleiht dem Geschmolzenen gleichzeitig ein wunderbares Räucheraroma. Der geschmolzene Schnee wird in einem Suppentopf aufgefangen und erwärmt. Keine Alternative zur Frittatensuppe, gewiss, aber eine Anregung zum Nachdenken über die Natur und was man ihr an Ess- und Trinkbarem abgewinnen kann.
Auch der Kopenhagener Redzepi-Kollege Rasmus Kofoed, dieses Jahr mit dem zweiten Michelin-Stern ausgezeichnet, Gewinner des Bocuse d’Or und einer der wichtigsten Köche in Skandinavien, macht sich da seine Gedanken. In seinem Restaurant Geranium in Kopenhagen arbeitet er viel mit Holz und Asche. Er holt die Natur von draußen auf den Teller. Dass der vernünftige Umgang mit Natur und Essen schon im zarten Kindesalter beginnt, ist für ihn eine Binsenweisheit. Er lädt Kinder zu Kochworkshops und damit gleichzeitig hinaus in die Natur. Was wächst denn da? Was kann man daraus machen? Sein Motto:„Für dich ist die Natur ein Spielplatz, für mich ein toller Supermarkt.“ Er plädiert fürs Brot mit Wald- und Wiesenkräutern als Alternative zum Fertig-Burger aus dem Supermarkt.

 

ABER REDEN WIR NOCH EINMAL über den Regen. Für den Feinesser, den Restaurantgeher, den Gast, unterwegs zu den seiner Stimmung nach gerade besten Restaurants und Gasthäusern in seiner Umgebung oder auf Reisen ist Regen durchaus ein Segen. Schon der Weg in unser Lieblingsrestaurant wird durch ein paar Regentropfen und den Aufzug dunkler Wolken zum Vergnügen. Keine Radausflügler, keine Straßenrand-Griller verunzieren das Gelände, das er auf dem Weg zu seinem Lieblingskoch, seiner Lieblingsköchin zu durchqueren hat. An den Ufern der Seen gibt es kein Gedränge. Den Zeitgewinn durch den Entfall von Staus an regnerischen Tagen nützt der Gast, indem er vielleicht noch ein Zwischengericht oder ein Gespräch mit seinem Lieblingswirten einschiebt.

 

ABER IST UND BLEIBT GUTES, naturverbundenes Essen einer kulinarischen Elite vorbehalten? Menschen, die sich die Zeit nehmen für das, was auf ihren Teller kommt, und die auch bereitheartbeat_Corporate_Publishing_Freude_02_auf_Regen_folgt_Genuss4 sind, das nötige Geld dafür hinzulegen? Muss nicht sein. Schauen wir ins Netz, bevor wir in die Natur gehen, zum Beispiel zum Regional-TV-Sender Wien 24. Robert und Renate laden hier zu einem Spaziergang auf die Wiesen zum Kräuter sammeln rund um den Wiener Gemeindebau Am Schöpfwerk ein. Dort im Gelände zupft Robert allerlei Köstliches aus dem Gras. Geduldig erklärt er Interessierten, was sich zum Verzehr eignet, was nicht und wie man es erkennt. Fürs wilde Abendmenü gibt es einiges zu entdecken: nebst einer Menge Fallobst – aus dem Robert sogar selbstgepresstes Nussöl zaubert – auch jede Menge Brennessel, Schafgarbe und Brombeeren. Kostenlos, kalorienarm und köstlich: Das wird nicht nur die Bewohner des Gemeindebaus zum guten Essen animieren. Der Sammler wird im Sommer nicht nur mit Beeren und Kräutern belohnt, auch Waldpilze sind ihm eine Freude, wenn sie frisch geerntet aus dem Wald auf seinen Teller kommen. Beim Thema Eierschwammerl hat der Supermarkt keine Chance gegen Mutter Natur, die ihm auch sonst in vielen Dingen voraus ist.
Man muss sich nur mit ihr einlassen, notfalls auch mit einem Regenschirm im Gepäck. ♥


Magazin / Titel: FREUDE – Das Magazin für Freunde von Sonnentor
Ausgabe: #2 / REGEN / August 2013
Kunde: SONNENTOR Kräuterhandelsgesellschaft mbH
Chefredaktion: Katja Greco
Stellv. Chefredaktion: Claudia Eipeldauer

Art Direction & Layout: d.signwerk Emotional Brand Building
Text: Alexander Rabl
Fotos: Michael Wissing /  AT Verlag Aarau und München,
Helge Kirchberger / Red Bull Hangar-7

Lektorat: Ewald Schreiber